WELCOME_1 | MOTION TRIO

Datum: Sa, 15.03.2003
Veranstalter: Verein Innenhofkultur
Ort: cik - Künstlerhaus Klagenfurt

Im Rahmen unseres über fast 2 Jahre gehenden Schwerpunktes WELCOME (die neuen EU-Beitrittsländer stellen sich musikalisch vor) – eine grossartige Formation aus Polen.

lineup:
Janusz Wojtarowicz_Akkordeon
Pawel Baranek_Akkordeon
Marcin Galazyn_Akkordeon

Das „Trio infernal“ der polnischen Akkordeonavantgarde widmet sich vor allem unkonventioneller zeitgenössischer Musik, welche durchsetzt ist mit Elementen des Jazz, des Rock und des Folk. Das von Bandleader und Chefkomponist Janusz Wojtarowicz ins Leben gerufene Trio wurde von Polens Musikpresse unisono zum besten Debüt-Act des Jahres 2000 gekürt.
Bereits zuvor war ihre kurze Karriere mit Preisen und Auszeichnungen gepflastert („Grand Prix“-Preis beim 4. Internationalen Krzysztof-Penderecki-Wettbewerb für zeitgenössische Kammermusik in Krakau oder etwa im selben Jahr den Titel „Beste Aufnahme“ für ihr erstes Album „Pictures“).
Die Musikjournalisten loben vor allem die herausragende Individualität der einzelnen Interpreten und die enorme Spontaneität und Energie ihres Zusammenspiels. Stile zu mixen, ist keiner Szene mehr etwas Besonderes. Doch es ist die Art des Mischungsverhältnisses, mit der das Motion Trio zu begeistern vermag und die es ihr Auditorien sowohl in klassischen Konzerthallen als auch in verrauchten Jazzkellern und bei World-Music-Festivals sichert.
http://motion-trio.art.pl/

Motion Trio: Aufbruch zu neuen Akkordeon-Soundwelten

Die Hände verschlossen sich automatisch. Die Kälte der Kirche und die Unbequemlichkeit der Holzbänke verführte zur Betstellung. Ob man wollte oder nicht. Der perfekte Kontrast zur sündigen Kirchenkälte wurde im beseelten Spiel dreier polnischer Akkordeonkünstler hergestellt. Seelenbalsam. Selig waren nämlich diejenigen, die Motion Trio spielen hörten – und das waren nicht wenige am Tag 16 des Akkordeonfestivals.

Die große Überraschung des Festivals, wenn man so will, bot das Motion Trio. Ohne große Erwartungen wollte man den ersten Part des Abends über sich ergehen lassen, und dann das. Was sie und vor allem in welcher Art und Natürlichkeit (denn der Begriff Technik wäre beim Trio nicht ganz richtig) Janusz Wojtarowicz, Pawel Baranek und Marcin Galazyn handwerkten überschritt zuweilen die Grenze bislang Gehörten im akkordeonistischen Spiel. Innovative (der Begriff ist bei diesem Trio tatsächlich gültig) Sounds entlockten die drei dem Akkordeon. Im Gegensatz zu Akkordeonisten a la Hans Peter Falkner, die ihr Instrument mit Midi-Geräten und anderen technischen Firlefanzen verbinden, benötigen die drei Polen einzig und allein ihr Instrument.

Kriegscollage: Flugzeuggedröhn, Maschinengewehrsalven, marschierende Soldaten inklusive Militärorchester. Kriegsbilder, die beängstigend echt klangen, entlockten die drei dem Akkordeon. „Das Stück war in 30 Minuten fertig. Wir waren ein bisschen betrunken, saßen vor dem TV-Gerät und sahen diese Kriegsbilder aus Tschetschenien. Wir stellten den Ton ab, griffen zu unseren Akkordeons und spielten zu den Bildern“, erzählte Janusz Wojtarowicz nach dem Konzert über die Entstehung des Kriegssongs. Nochmals: Bands wie Pink Floyd benötigen für solcherart Soundspektakel tonnenweise Equipment, das Motion Trio drei Akkordeons.

Dem um nichts nach stand „Der kurze Augenblick“ – eine Kindheitserinnerung eines verregneten und missglückten Zirkusbesuch. Ein trauriger Tag im Leben eines Kindes, hoch poetisch und dennoch wortlos umgesetzt. Danach hoben sie endgültig ab, hatten die Nase voll von der Erde und gingen im Weltraum spazieren. „Weltraumflug“, „Sterne“, „Das kosmische Karussell“ und „Die kosmische Stille“, angelehnt an den Ambient-Sound von Brian Eno. Dort, wo die elektronischen Spielereien der deutschen Gruppe „Kraftwerk“ in die Statik verfiel, setzt das Motion Trio akustisch fort. Electronics ohne Elektronik, oder: Wer braucht schon Synthesizer?

Der Ausflug in den Kosmos war ein Ringelspiel der Gefühle, in abstrakter Schönheit und irritierender Formvollendung experimentellen Akkordeonspiels beschritten sie neue Wege mit neuem Sound und neuen Songs. „25 Prozent“, so Wojtarowicz, „war an diesem Abend Improvisation.“ Über die Zukunft des Akkordeonspiels meinte er: „Andere Instrumente wie Geige, Gitarre, Klavier wurden auf ihre Art bereits ausgereizt, da kann nicht mehr wirklich viel Neues entstehen. Ganz anders beim Akkordeon. Das wird jetzt erst so nach und nach entdeckt und experimentell gespielt. Die Akkordeon-Traditionalisten sind erschöpft und unser Ziel ist es, nie gehörte Töne dem Akkordeon zu entlocken, vollkommen neue Sounds und Formen zu entwickeln, auf CD und natürlich auch live umzusetzen. Live bedeutet unser Spiel eine besondere Herausforderung, denn im Studio kann man in gewisser Weise schummeln, nicht jedoch während eines Konzerts.“

Improvisiert war auch die Rückkehr zur Erde. Während die letzten Töne von „Die kosmische Stille“ ausklangen, erwachte ein Baby und führte mit dem Geschrei perfekt in das abschließende Lied „Das Erwachen“, bevor es in der Zugabe gleich wieder auf Reisebeobachtung ging. „Der Bahnhof“. Müßig zu schreiben, was man da alles sah, schloss man die Augen.

Motion Trio: Nicht nur die größte Überraschung, sondern auch der bisher beste Act des Akkordeonfestivals.

Manfred Horak, JazzZeit
(Akkordeonfestival Wien, März 2002)

Termine

am Do, 29.01.2026 um 18:30

Intentional & Random: a festival | Villa For Forest

Villa For Forest, Viktringer Ring 21, 9020 Klagenfurt Join us for an evening of music that explores the boundaries of sound and performance.

Beginning at 18:30, the event will open with a collaborative sound installation Quotidian Reminiscence in the garden of Villa for Forest. The sonic positions of the installation are distributed across the outside space, inviting listeners to roam around and encounter dialogues among eight micro-compositions that capture moments of habitual personal contexts. The installation will remain active throughout the entire event, providing an immersive sonic backdrop to three distinctive concerts. At 19:30, the first concert features a new work by Klagenfurt-based composer Bastien Brännland, alongside Matthew Schlomowitz's Letter Piece #5: Northern Cities, for two players performing music, actions, and text; Alban Berg’s 4 Stücke, Op. 5, which delves into virtuosic atonality through extended techniques such as flutter-tonguing and extreme dynamics; and John Zorn’s seminal "game piece" Cobra, where performers shape the music in real time through cues and gestures. The 20:30 concert showcases Julius Eastman's minimalist masterpiece Stay On It – a work by a composer whose brilliant contributions were almost completely lost but have recently achieved high acclaim – paired with Peter Ablinger's noise piece Nanophony for soft sounds and loud amplification. The final concert at 21:30 will conclude the evening with an experimental improvisation designed and performed by a quintet of composer-performers, sympathetically agitated by Christopher A. Williams.

From the opening collaborative sound installation to the final improvisation set, Intentional & Random promises a unique journey through sound, intermedia and performance. Whether you're a seasoned experimental music enthusiast or a curious first-time listener, this event offers a unique opportunity to explore the frontiers of musical expression.

All are welcome!
am Fr, 06.02.2026 um 18:00

Autorenlesung | Literatur- und Dichterkreis Klagenfurt | Villa For Forest

Villa For Forest, Viktringer Ring 21, 9020 Klagenfurt Der Literatur- und Dichterkreis Klagenfurt wurde vor 23 Jahren gegründet und besteht aktuell aus 13 aktiven Mitgliedern. Der Verein dient der Förderung von literarischen Werken, die von den Vereinsmitgliedern selbst geschaffen wurden.
Diese Förderung spiegelt sich insbesondere in monatlichen Vereinsstammtischen, regelmäßigen Lesungen, sowie in einer gemeinsamen Publikation wieder. Eine der Hauptintentionen des Literatur- und Dichterkreises Klagenfurt liegt dabei darin, LiteratInnen einen Austausch mit anderen LiteratInnen zu ermöglichen und sie bei ihren ersten Schritten in der Öffentlichkeit zu unterstützen. Hierbei legt der Verein auch sehr viel Wert darauf, dass das Vereinsleben stets von einer familiären Atmosphäre geprägt wird.
Im Juni 2025 wurde die aktuelle Anthologie „Freude am Schreiben“ im Eigenverlag herausgegeben, in welcher sich besondere Kostproben aller Autorinnen und Autoren finden.