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Für Freiheit statt Bettelstab

Datum: Fr, 10.04.2015
Quelle: Kleine Zeitung, Kultur

Kulturgremium verabschiedete Resolution an die Landesregierung

Gestern hielt das Kärntner Kulturgremium eine Krisensitzung ab. Das Resultat war eine einstimmige Resolution an die Landesregierung, die u.a. das Ende des Förderstopps für Kulturinitiativen und eine Neuordnung der Kulturabteilung fordert. Anbei der komplette Text.

Nicht nur die freie Kulturszene leidet unter dem Hypo-Desaster. Schon bald könnte es auch das Stadttheater treffen

Foto © Hirtenfelder

Das Kulturgremium richtet als Berater der gesamten Kärntner Landesregierung den dringenden Appell, keine weiteren Kürzungen des im Österreichvergleich ohnedies unterdurchschnittlich knappen Kulturbudgets vorzunehmen und beim zuletzt veranschlagten Budget in der Höhe von mindestens 29 Millionen Euro zu bleiben. Insbesondere appelliert das Kulturgremium die Kreditsperren aufzuheben und die Ermessensausgaben für den Kulturbereich nicht zu reduzieren, da dies die Existenz der freien Szene und Kulturinitiativen gefährdet.
Die Aufgabe des Kärntner Kulturgremiums ist die Beratung der Landesregierung in bedeutsamen Fragen der Kulturpolitik. In acht Beiräten bringen 32 Mitglieder ehrenamtlich ihre Expertise ein. Bedauerlicherweise wird von diesem Potential zu selten und nur selektiv Gebrauch gemacht. Zu oft wurden, ohne das Gespräch zu suchen, von der Unterabteilung Kunst und Kultur gegen Empfehlungen des Kulturgremiums Entscheidungen getroffen und Maßnahmen gesetzt. Manche dieser Maßnahmen wurden sogar öffentlich als Umsetzung solcher Empfehlungen dargestellt.
Die Politik des Landes Kärnten muss nicht nur für die Kulturschaffenden, sondern für das gesamte Land, eine professionelle, faire und transparente Kulturpolitik gewährleisten. Das Kulturgremium fordert deshalb die Mitglieder der Landesregierung auf, wieder wertschätzende Kommunikation mit dem Kulturgremium zu pflegen und für mehr Transparenz bei der Vergabe von Fördermitteln und deren Evaluation zu sorgen. Nur so kann das Kulturgremium seinen Aufgaben entsprechend dem Kulturförderungsgesetz nachkommen.

Daher empfehlen wir nachdrücklich:

  • In diesen wirtschaftlich angespannten Zeiten den Jahresschwerpunkt 2016 unter das Motto „Jahr der freien Kulturinitiativen – Kultur zwischen Freiheit und Bettelstab“ zu stellen.
  • Die kulturelle Grundinfrastruktur für Kulturschaffende und –konsumenten entsprechend dem gesetzlichen Auftrag zu erfüllen und sicherzustellen.
  • Mitglieder des Kulturgremiums in Förderentscheidungen und Subventionsvergaben verstärkt in kultur- und wissenschaftsrelevanten Beiräten und Jurys beratend einzubinden.
  • Die im Bundesländervergleich geringe Anzahl an Stipendien zu erhöhen, um die kreative Jugend, die dem Land zusehends den Rücken kehrt, für Kärnten (zurück) zu gewinnen.
  • Die Werke und Leistungen der StipendiatInnen im Land in Form von Ausstellungen, Lesungen, Publikationen, Aufführungen usw. öffentlich sichtbar zu machen.
  • Eine grundlegende Reform der Kulturzeitschrift „Die Brücke“ unter Berücksichtigung der bereits vorliegenden und der noch auszuarbeitenden Empfehlungen des Kulturgremiums vorzunehmen. Die jüngsten Entwicklungen der Landeskulturzeitschrift verfolgt das Gremium mit wachsender Besorgnis.
  • Eine „Rede zur Lage der Kultur in Kärnten“ im Rahmen der Kulturpreisverleihung als deren festen Bestandteil. Die Rednerin oder der Redner nominiert jeweils der Fachbeirat, in dessen Sparte der Hauptpreis vergeben wird.
  • Die umgehende Bereitstellung von Mitteln für einen Architekturwettbewerb, die Neugestaltung und die inhaltliche Bespielung des Landesmuseums Rudolfinum und seine ehestmögliche Wiedereröffnung.
  • Die von der Landesregierung in Aussicht gestellte inhaltliche Neuausrichtung der Kulturverwaltung durch die Zusammenführung der Kultur und Wissenschaftsagenden in einer eigenen Abteilung und einer zumindest österreichweiten Ausschreibung der Leitungsposition. Das Kärntner Kulturgremium möchte in die Ausarbeitung des Anforderungsprofils und die Formulierung der Stellenausschreibung eingebunden werden. In jedem Fall wird es in dieser grundlegend wichtigen Frage der Kulturpolitik Vorschläge einbringen und Stellungnahmen abgeben.
  • REAKTIONIn einer ersten Reaktion auf neben stehende Resolution sieht Landeskulturreferent Christian Benger „völlige Einigkeit mit dem Kulturgremium“ und möchte „dies in der nächsten Regierungssitzung thematisieren“. Laut Benger seien in Ermessensbereichen wie Kultur, Wirtschaft oder Umwelt „in den letzten Jahren mit strukturellen Änderungen und Einsparungen zwischen 25 und 30 Prozent längst die möglichen Beträge zur notwendigen Sanierung des Landes geleistet“ worden. Den rund 1-Prozent-Anteil des Kulturbudgets weiter zu kürzen, sei für diesen Bereich existenzbedrohend“. Auf die übrigen Forderungen des Gremiums ging Benger in seiner schriftlichen Stellungnahme nicht näher ein.


    Dem Humorfestival ist das Lachen vergangen

    Das Humorfestival Velden protestiert gegen den Förderstopp für die Kärntner Kulturszene.

    KLAGENFURT. Am kommenden Donnerstag ist Christian Hölbling, bekannt vor allem als bissig-biedere Kunstfigur „Helfried“, wieder einmal auf einer heimischen Bühne zu erleben. In den Klagenfurter Kammerlichtspielen präsentiert der Kärntner Kabarettist sein neues Programm „Ich kann auch anderst“, das zugleich das Motto für seinen jüngsten politischen Protest vorzugeben scheint. In der Kritik des 42-jährigen Exil-Steirers steht vor allem der von Landeskulturreferent Christian Benger verkündete Subventionsstopp für jene Kärntner Kulturinitiativen, die bis dato noch keine Förderzusage für das Jahr 2015 bekommen haben.

    Ein schwerer Schlag auch für das von Hölbling initiierte Humorfestival Velden, das von 1. bis 4. Oktober zum siebten Mal stattfinden sollte. Hölbling im O-Ton: „Von Initiativen, die sich nicht wehren können, wird permanent verlangt, dass sie den Gürtel enger schnallen. Ich würde mir wünschen, dass auch bei gleichbleibend inkompetenten KulturbeamtInnen und Kulturreferenten einmal ordentlich der Gürtel angesetzt wird.“

    Dabei war das Festival schon bisher nicht von Subventionen verwöhnt. In der Zeit der freiheitlichen Kulturpolitik gab es für das von Hölbling gemeinsam mit dem Kulturmanager Jürgen Gschiel aus der Taufe gehobene Festival keinen einzigen Cent aus der Landeskassa. Erst in der Ära von Kulturreferent Wolfgang Waldner erhielt man vom Land Kärnten zweimal eine Subvention in der Höhe von 5000 Euro.

    „Ohne massive Selbstausbeutung, das Sachsponsoring vor Ort und treue Sponsor-Partner wäre das Festival schon bisher undurchführbar gewesen“, erklären die Organisatoren unisono. Dabei sei man seit 2009 nicht nur „ein wichtiger Impulsfaktor für die schmale Kärntner Kleinkunstszene“, sondern „mittlerweile auch für den Tourismus“. Fazit: „Aus finanziellen Gründen machen wir das Festival nicht. Wir investieren immer in ein gutes Programm und faire Gagen für die Künstler“, so Hölbling & Co. Aber die „Weiterführung des Festivals mit einem Qualitätsanspruch“ sei derzeit „in Frage“ gestellt. EH


     Das stand am Vortag in der Kleine Zeitung:

    Kulturgremium tagt, Archäologe gesucht

    Das Kärntner Landesmuseum schreibt ab Mai 2015 eine Archäologenstelle aus. Nachdem der Arbeitsgerichtsprozess mit dem 2013 entlassenen Ausgräber Heimo Dolenz nach wie vor andauert, gibt es derzeit nur zwei Archäologen, die beim Museum in Vollzeit beschäftigt sind: Franz Glaser, der im September 65 wird, und der Ur- und Frühgeschichtler Paul Gleirscher. Zu deren Unterstützung wird nun eine Person mit „mehrjähriger Berufserfahrung“ und „Erfahrung im Bereich Forschung und Publikation“ gesucht. Entlohnung: „ab 2500 Euro brutto“. Nicht einverstanden mit der Ausschreibung ist Gernot Nischelwitzer, roter Personalvertreter in der Landesregierung. Er sieht angesichts des „ohnehin bis 2019 geschlossenen Landesmuseums“ keinen Bedarf an einem zusätzlichen Archäologenjob und wittert die Versorgung eines „Bundesbruders aus dem Nahbereich des ÖVP-Regierungsmitglieds bzw. des Direktors“.

    Angesichts des vom Finanzreferat des Landes verordneten Zahlungstopps im Kulturbereich, wird sich das Kärntner Kulturgremium heute zu einer Sondersitzung zusammenfinden. Allgemein herrscht unter den rund drei Dutzend Mitgliedern des ehrenamtlichen Beratergremiums die Meinung vor, dass im Kulturbereich „das Ende der Fahnenstange“ längst erreicht sei und weitere Kürzungen vor allem freie Initiativen in ihrer Existenz gefährden würden. Ziel des heutigen Treffens ist eine Resolution, die die Landesregierung dazu auffordern soll, sowohl im Förderwesen als auch im Verwaltungsbereich notwendige Schritte zu setzen, um Kärntens Zukunft als Kulturland zu sichern.

Kulturpresse