SOLYSOMBRA – Das Harbachprojekt_u.a. KOLLEGIUM KALKSBURG

Datum: Sa, 17.06.2006
Veranstalter: Diakonie Kärnten
Ort: Harbach

Peter Ahorner & Kollegium Kalksburg »Imma des Söwe«

Peter Ahorner: Stimmband
Heinz Ditsch: singende Säge, Akkordeon, Gesang
Paul Skrepek: Kontragitarre, Gesang
W.V. Wizlsperger: Gesang, Tuba, Kamm

»Imma des Söwe«, also: stets dasselbe, nennt das famose Trio sein neues Album, und das ist nicht nur Koketterie, denn hier geht es in der Tat immer ums Saufn, Schbeisn, Schnacksln und Schdeabm (nicht unbedingt in dieser Reihenfolge). (…) Die Verarbeitungsarten von totem Tier werden einigermaßen flächendeckend erwähnt, die Weinflaschen singen »es wird ein wein sein, und ia weads nimma sein«, aber dennoch will man das »Banklreißn« eher »pomali« angehen. Schließlich bleiben auch die tiefsten Schubladen nicht ungeöffnet, da sorgt der grenzgeniale Gstanzldichter W.V.Wizlsperger verlässlich dafür. (…) So welthaltig war Wien schon lange nicht mehr. Weltmusik? Wödmusi!
Klaus Nüchtern, Falter

„Ahorners scheinbar beiläufige, tatsächlich aber virtuose Texte…“
Walter Titz, Kleine Zeitung

Das famose Wienerlied-Duo »die Strottern« arbeitet ja schon seit längerer Zeit mit dem grandiosen Peter Ahorner zusammen, nur die selbstherrlichen Kalksburger hatten bisher mit den Begriffen »zusammen« und vor allem »Arbeit« immer ihre heilige Not; der selber herrliche Peter Ahorner gibt sich trotzdem in höchst dankenswerter Weise für so was her und die Damen und Herrn Publikum können schön schaun was dabei herauskommt.
Anzunehmen ist: Der Herr Schriftsteller wird ohne Deckweiß über schwarzzuckerlrosa Aggregatzustände berichten. Und die Herrn Musiker werden einiges – verwordaglte Interpretationen älterer und neuerer Eigenkompositionen, Um-, Nach- und Neudichtungen, jahrelang auf allen wienerischsprachigen Bühnen der Welt Geprobtes und Ungeprobtes – singen und spielen. Erhoffen Sie nichts, erwarten Sie alles!

Das Harbachprojekt
Reimo Wukounig • Burgis Paier • Bella Ban • Judith Lava • Peter Ahorner
Interventionen / Lesungen / Konzerte
HARBACH, DIAKONIE KäRNTEN, KLAGENFURT

Geöffnet: Mi – So 15 – 21 Uhr, Mo und Di geschlossen

Die Interventionen und Installationen von Reimo Wukounig, Burgis Paier, Bella Ban und Judith Lava finden in dem aufgelassenen Kloster statt, das in den 50er Jahren eine Erziehungsanstalt für Kinder war. Reimo Wukounig war selbst ein Zögling in Harbach und setzt sich an diesem Ort seiner Kindheit mit seiner eigenen Vergangenheit auseinander. Burgis Paier, Bella Ban und Reimo Wukounig beziehen in den Sommermonaten das Kloster und erarbeiten ihre Beiträge vor Ort. Auch während der Dauer der Ausstellung werden die KünstlerInnen vor Ort leben, einen besonderen „Artshop“ einrichten und die Besucher selbst führen.
In Harbach verknüpfen sich mehrere Geschichten, kreuzen sich die Wege und verdichten sich die künstlerischen, sozialen und spirituellen Komponenten von Solysombra Bewegung wird Gestalt. Einst ein Ort, an dem sozial schwache, in Not geratene Menschen, Kranke und Alte Hilfe fanden, wurden später darin Kinder aus verwahrlosten Verhältnissen auch mittels gewalttätiger Erziehungsmethoden während der zeit der Nazis zu „mündigen“ Menschen erzogen. Jetzt setzen sich drei KünstlerInnen mit diesem historischen Ort kritisch und auch sehr persönlich auseinander – unter dem Motto “Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen“. Die Windmühlflügel drehen sich und bewegen ein Mahlwerk, sie sind zugleich Signale und erscheinen aus jeder Sichtposition anders. Bewegung wird Gestalt.

Reimo Wukounig „VERSUCHTE RETTUNG“
Gedächtnisraum zur Disziplinierung und Eingliederung des Zöglings in die menschliche Gesellschaft, unter besonderer Beachtung seines latent schwankenden Seelenzustandes (rühr mich nicht an).
Selbstvergewisserung, das Röntgenecho (es schreit an dir vorbei/ hindurch) – spätes Bekenntnis und Sichtbarmachung vernarbter / offener Wunden.
Schattenlos die nackten Umrisse der vermessenen Gestalt.
„Langer Weg – zeig her den Ort der Kindheit, dein Gedächtnis, die Jugendsünden“ – Fragmente der Nachnutzung und Restwärme erkalteter Erinnerung.
Totale (blanke) Enthüllung (Entblößung) – schützende Ummantelung und Einkleidung in seelisches Gewand. Soll er sich selbst verleugnen, verschweigen oder gar verraten? Nein! Menschliches Maß und Würde sind wieder einzuholen. Schutzlos durch vaterlose Verortung – Abwesenheit des Weiblichen – dünne Nerven meiner Mutter – (und da steht er nun- ich und du, der Zögling, nach langer Wegstrecke), sich selbst gegenüber; geläutert (beschädigt) – erleuchtet (moralisch erloschen)? Nein! Ratlos zornig, in heimatenger Beklemmung und gotischer Einsamkeit – ratlos verweilend – und die Schildkröte läuft Amok…….“ Reimo Wukounig (Zögling Nr. 33)

Burgis Paier „DIE TÜCHTIGE HAUSFRAU“
Ein Kunst-Sozialprojekt; ein integratives Projekt mit Frauen aus verschiedenen Teilen der Welt in Kooperation mit der Projektgruppe Frauen
„Am Ausgangspunkt für meine Installation stehen die Küchen- und Marktstilleben der flämischen Malerei des 16. Jahrhunderts. Ich beziehe mich vor allem auf das Bild von Peter Aertsen: „Speisekammer mit Maria, Almosen verteilend“, 1551.
Wir sehen Schweinskeulen, Würste auf einem weißen Leintuch, das in eine Schmalzschüssel hineinhängt, dazu die noch mit Fell behaftete Rinderschnauze, Innereien, geräucherte Heringe, verschiedene Pasteten, totes Geflügel auf einem Korb mit Brot, Brezeln und Fische auf einem Zinnteller. In der Mitte des Bildes, wie bei den flämischen Stilleben so häufig dargestellt, ein biblisches Motiv: die heilige Familie auf der Flucht nach Ägypten: Maria, Almosen verteilend.
Hier gibt der Künstler einen allegorischen Verweis:
Die Gegenüberstellung, der Kontrast von Fleischexzessen und die Armut der Heiligen Familie.“
Objekte der Fleischeslust (voluptas carnis), Völlerei und Verschwendung, die die Vergänglichkeit des verführerischen Irdischen versinnbildlichen sollen, werden der biblischen Szene – Maria verteilt Almosen – gegenübergestellt und mahnend aufgezeigt.
In der Werksküche zeige ich eine dem Bild nach empfundene Installation. Das biblische Mittelmotiv wird von mir ausgegliedert und in einem eigenen Raum, also für sich stehend, in einer weiteren Installation mit dem Titel
„DUOME MIO TESORO“ gezeigt.
Raum: DUORME MIO TESORO: (Peter Aertsen: „Maria, Almosen verteilend – die Flucht nach Ägypten“):
Ich nehme Ägypten nicht als geografische Bezeichnung, vielmehr als Symbol für die äußere Welt, für das Leben in der Fülle der materiellen Erscheinungsformen. Der Weg also durch eine Sphäre der Gottesferne. Die „Ruhe auf der Flucht“ – ein Moment des Innehaltens auf den beschwerlichen Wegen des Lebens.
Ich bereite eine RUHESTATT, ein Bettzeug aus „schreiender“, bestickter Seide.

Der „Hintersinn“, der in den mit biblischen Motiven ausgestatteten Küchenbildern verborgen war, wurde im 16. Jahrhundert allgemein erkannt und verstanden.
MULTIS DOCTA PLACET (eine Küche mit tieferem Sinn gefällt vielen).
Als Stillleben im heutigen Sinn wurden diese Bilder nicht gesehen.
In meiner Installation in der Werksküche wird also gekocht werden und jeder „auf der Flucht“ kann innehalten und gesättigt weiterziehen.

Bella Ban I „CAPITATIO BENEVOLENTIAE“ (gunstgriff)

Zwischen dem Innenraum der Kapelle in Harbach und einem
kleiner leerstehender Raum im Keller entsteht eine atmosphärische Korrespondenz – zwischen
der Madonna mit Christus und dem Thema Hände.
Materialien: Metall, Glas, Schatten, Licht, Gips …

Bella Ban II
stillstandstill
Skulpturen (Viktor Rogy) im Klostergarten

Nirostatische – architektonische Teilgestalten des
Café OM in klagenfurt (Pernhartgasse 12) ziehen aus ins Freie von Harbach und werden als Skulpturen aufgestellt.

Judith Lava
„verbotene Früchte“
VIDEOINSTALLATION IM KELLERGESCHOSS

„Ich beziehe meine Videoarbeit auf die Zeit, als die Nationalsozialisten die Knabenanstalt im Schloss Harbach führten. Während dieser Zeit wurde das weibliche Element in jeder Hinsicht ausgeschlossen. Den Schwestern vom Guten Hirten wurde das Schloss erst 1955 wieder zurückgegeben. Die Schwestern kümmerten sich um die „gefallene Mädchen und Sünderinnen“ im Gegensatz dazu mit sehr fortschrittlichen Methoden – Geborgenheit statt strenge Zucht (Zitat Diakonie Kärnten). Aber auch sie grenzten „das Weibliche“ , in diesem Fall nach außen hin, ab.
Das Weibliche, das Sinnliche und Gefühlvolle hat dem Ort in seiner Vergangenheit entweder gefehlt oder es wurde nach außen hin abgeschirmt. Diese Thematik nehme ich in meiner Videoarbeit auf. Ich verwende vorwiegend symbolische Bilder, die auf einer poetischen Ebene wirken. Auf der einen Seite betrachte ich das Gefühl der Unerreichbarkeit, der Verlockung, der Flucht und der Angst vor der Macht der Weiblichkeit. Auf der anderen Seite wird es dadurch aufgelöst, dass positive Bilder die Sinnlichkeit und das Gefühlvolle zelebrieren und so dem Ort diese verdrängten Teile wieder zurückgeben bzw. sie sichtbar und zugänglich machen.

Der Keller ist der Ort, wo sich verschlossene, verdrängte und dunklen Dinge befinden – gleich dem Unterbewusstsein – darum ist dieser Raum für meine Videoinstallation passend.
In die Regale, die in dem Raum stehen, stelle ich gefüllte Kompottgläser / Marmeladegläser, die in die Zeit der nationalsozialistischen Knabenanstalt datiert sind – sie sind ein Verweis auf die Vergangenheit, auf die ich mich beziehe. Die Gläser sind auch ein physischer Bezug auf die Negation der Weiblichkeit – sie verbreiten eine mütterliche, versorgende Atmosphäre, die aber nicht Verwendung fand, sondern weggeschlossen wurde.

Termine

morgen um 15:00

VILLAR21 | Eröffnung = 1. Tag | Villa For Forest

Villa For Forest (Am Ring), Viktringer Ring 21, Klagenfurt Das neue Ausstellungsformat villar2I fördert junge Künstler:innen in der Villa am Ring 2I in Klagenfurt am Wörthersee.
Kuratiert und realisiert wird es vom KunstkollektivRW in Kooperation mit dem Verein Innenhofkultur.
Öffnungszeiten:
Jeweils am Freitag von 16 bis 18 Uhr
Und an Samstagen von 11 bis 13 Uhr, sowie von 15 bis 18 Uhr
Oder nach telefonischer Vereinbarung (0660 2303282, 0650 5896325)
Das Ausstellungsende wird erst bekanntgegeben.
Supported by FOR FOREST - the voice for trees
am Fr, 18.06.2021 um 19:00

Nabil (Alfred Goubran) & Primus Sitter: M’zungu Blues – Villa For Forest

Villa For Forest, Viktringer Ring 21, Klagenfurt "… zwei genreüberschreitende Alleskönner, die zwischen dem Blues von Blind Willie Johnson und Howlin’ Wolf, den Songs von Bob Dylan, eigenständiger Lyrik und zeitgenössischen Klängen von Jack Walrath, Ingrid Jensen, dem Upper Austrian Jazz Orchester und George Garzone keine natürlichen Grenzen erkennen und sich daher respektvoll von all diesen Quellen (und weiteren) unbekümmert inspirieren lassen.
(Axel Melhardt, Jazzland, Wien)“
Eintritt: € 15 | StudentInnen und alle unter 18 Jahren € 8
Supported by FOR FOREST - the voice for trees