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Lehman-Pleite – Weltweites Bemühen um Regeln für Derivate

(APA, Di, 07.Sep 2010)
Lehman-Pleite – Weltweites Bemühen um Regeln für Derivate
Utl.: 480 Billionen Euro großteils unreguliert – Nur sehr langsame Fortschritte

Wien (APA) – Mit 615 Billionen Dollar (480 Bio. Euro) ist der Markt für Derivate der mutmaßlich größte der Welt. Ein Großteil dieser spekulativen Finanzprodukte ist nicht reguliert und wird außerbörslich gehandelt. Das will die Politik nun ändern. Weltweit gibt es Bestrebungen, die Marktteilnehmer zu mehr Transparenz zu verpflichten.

Der US-Investor Warren Buffett hatte vor der Krise Derivate als „finanzielle Massenvernichtungswaffen“ bezeichnet. Sein deutsches Äquivalent Mark Mobius prophezeite danach bei fehlender Regulierung für die Papiere eine neuerliche Finanzkrise.

Weltweit versuchen Politiker seit Ausbruch der Krise die Intransparenz und damit das Systemrisiko des Derivate-Geschäfts zu verringern. Das gilt insbesondere für die umstrittenen Kreditausfall-Swaps („Credit-Default-Swaps“) und ungedeckte Leerverkäufe. Diese Instrumente werden – zumindest – als krisenverstärkend angesehen.

Die deutsche Bundesregierung will dafür sorgen, dass alle Derivate in den Bilanzen der Banken aufscheinen. In den USA will der Kongress den Großteil des Derivate-Handels künftig über Clearingstellen oder Börsen abgewickelt sehen. Das soll mehr Transparenz über Preise und Spekulationsblasen ermöglichen. Im Auftrag des Kongresses soll die Commodity Futures Trading Commission (CFTC) bis Mitte Dezember dazu einen Entwurf vorlegen. In Asien will China einem Zeitungsbericht zufolge den Handel von ausländischen Investoren mit bestimmten Derivaten begrenzen. Investoren dürften sich demnach nur gegen Kursschwankungen absichern, so das staatliche „China Securities Journal“ im Juli.

Hedge Fonds sollen als große Akteure im Markt für Derivate stärker kontrolliert werden. Schon nach dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers im September 2008 hatte die Politik das Wirken von Hedgefonds als eine der Ursachen ausgemacht. Die G-20-Staaten haben deshalb beim Weltfinanzgipfel Mitte November 2008 eine stärkere Kontrolle der bisher praktisch unbeaufsichtigten Unternehmen beschlossen. Geschehen ist bisher nichts.

Das soll sich nach Vorstellung des EU-Binnenmarktkommissars Michel Barnier ändern: Die Union will sich in den kommenden Wochen auf ein Gesetz zur Regulierung von Hedgefonds verständigen. Die jüngst erzielte Einigung auf neue EU-Finanzaufsichtsbehörden beweise den politischen Willen für weitere Reformen nach der Finanzkrise, sagte Barnier am Wochenende. „Die große Arbeit ist vom Europäischen Parlament erledigt worden.“ Der aktuelle Vorschlag sehe vor, dass Hedgefonds einen „Pass“ erhalten, der ihnen erlaube, Fonds zu managen und sie in der EU zu verkaufen.

Insgesamt ist das Volumen des Marktes für Derivate während der Krise nicht kleiner geworden. Die Bank für internationalen Zahlungsausgleich sprach im Mai 2010 von einem nominalen Wachstum von 12 Prozent zwischen Dezember 2008 und Dezember 2009. In Marktwerten allerdings registrierte sie einen Rückgang um 33 Prozent im selben Zeitraum. Der Markt für Derivate ist nominell 615 Billionen Dollar groß. Absicherungs- und Spekulationsgeschäfte mit Zinsen und Währungen machen rund drei Viertel seines Volumens aus.
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