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"Ich bin doch nicht blöd!"

„Ich bin doch nicht blöd!“

„Verdummung wird in einem Maße kultiviert, wie nie zuvor. Gepflegte Nichtbildung wird stolz zur Schau getragen.“

Wir erleben eine Idiotisierung der
Öffentlichkeit“, konstatiert der renommierte Medienexperte Thomas Meyer,
während der frühere „Stern“-Chefredakteur Michael Jürgs in seiner
furiosen Attacke „Seichtgebiete“ (in Anspielung auf Charlotte Roches
Vulgär-Epos „Feuchtgebiete“) begründet, warum wir „hemmungslos
verblöden“.

Am gründlichsten räumen die beiden deutschen
Publizisten Markus Metz und Georg Seeßlen auf: Auf 779 Seiten (ohne
jegliche Grafik, ohne ein einziges Bildchen) argumentieren sie, warum
wir gleichsam wie ein Perpetuum mobile die „Blödmaschinen“ in Gang
gesetzt haben.

Medien- und Gesellschaftskritik ist nichts Neues.
Ebenso so wenig wie die Erkenntnis, dass sie kaum etwas oder gar nichts
bewirkt. Medienschelte existiert, seit Massenmedien vom Stapel gelassen
wurden. Schon Berthold Brecht wusste virtuos damit umzugehen,
Jahrzehnte später Hans Magnus Enzensberger. Aus Amerika schwappten dann
in den Achtzigerjahren – pünktlich zur Einführung des Privatfernsehens
in Europa – die wertkonservativen Thesen eines Neil Postman („Wir
amüsieren uns zu Tode“) auf den Alten Kontinent über.

Es ist aber wohl kein Zufall, dass fundierte
Kritik an Medien, Werbung und Massenkommunikation so ausdifferenziert
wie nie zuvor in jüngster Zeit signifikant anschwillt.

Mit sprödem kulturpessimistischem oder
gesellschaftsideologisch apokalyptischem Denken hat dies allerdings
wenig zu tun. Wer sich der Mühsal unterzieht und gar seltsame
Hervorbringungen der unterschiedlichen Medien-und Kommunikationskanäle
genauer analysiert, erbleicht ob des vielfach kaum mehr messbaren
qualitativen Tiefstands.

Eine grassierende Verdummung wird in einem Maße
kultiviert, wie wir so etwas bisher nicht kannten. Gepflegte
Nichtbildung wird mit einem Augenzwinkern, wie blöd erst recht „die
anderen“ sind, stolz zur Schau getragen. Denkleistung auf nur etwas
höherem Niveau wird an „Experten“ unterschiedlicher Zunft delegiert,
wenn es um Wissen geht, an „intelligente“ Suchmaschinen verwiesen.

Die voranschreitende gesellschaftliche
Fragmentierung lässt Medien einerseits exzellent, im Mainstream der
Programme jedoch nachgerade verheerend erscheinen. Genau das befördert
die Elitenbildung.

Wenige durchschauen, viele erliegen dem
Faszinosum der „Blödmaschinen“, dem suggestiven Mix aus Kommerz,
Kommunikation und Medien. Mit einem intellektuellen Rundumschlag gegen
Dieter Bohlen, Paris Hilton & Co. ist es schon längst nicht mehr
getan.

Heinz M. Fischer ist Leiter des Studiengangs Journalismus und PR an der FH Joanneum

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