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EIN OFFENER BRIEF AN DEN KLAGENFURTER STADTTHEATERINTENDANTEN

Sehr geehrter Herr
Intendant, lieber Florian Scholz!


Einem kürzlich in der Kleinen Zeitung erschienenen Interview entnehme
ich, dass Sie aufgrund einiger negativer Kritiken eine Kurskorrektur bei den
kommenden Produktionen im Stadttheater vorhaben, bzw. schon vorgenommen haben.
Ihren Aussagen in diesem Gespräch entnehme ich – und hoffe Sie hier nicht
missverstanden zu haben – dass Sie
das Klagenfurter Publikum vor kritischem, intellektuellen Theater im
„brecht’schen Sinne“ verschonen möchten und dafür mehr auf Emotion und – so
verstehe ich es – Lieblichkeit und Verträglichkeit setzen wollen.

Ich denke, und da spreche ich sicher im Sinne vieler kritischer
Journalisten und TheaterbesucherInnen –
behaupten zu können, dass hier einiges missverstanden wurde.

Klagenfurt hat eine abwechslungsreiche Theatergeschichte und während der
Intendanzen der letzten Jahrzehnte gab es sehr divergierende Kritikpunkte: ein
Übermaß an operettenhaftem Pomp, zu zeitgenössische, tagespolitische Adaptionen
„klassischer“ Themen, zu belanglose, unpolitische Fertig-Produktionen.

Eines gab es aber sicher nie: Schlechte Kritik für stimmiges, sensibles,
umsichtig gemachtes, gutes Theater mit Niveau und Tiefgang. Egal wie „modern,
intellektuell, blutrünstig …“ es immer sein mochte.

Sehr geehrter Herr Intendant, wir alle wissen, dass es nicht einfach
ist, gerade bei effizientem Theater den Geschmack aller/vieler zu treffen. Wir
wissen aber auch, dass es nichts Langweiligeres gibt, als gefälliges Theater,
das dem Publikum nichts zutraut. Um mit Ingeborg Bachmann zu sprechen: Die
Wahrheit, wie offen, hart, intellektuell, kritisch oder politisch sie auch
immer daherkommt, ist auch dem Kärntner Theaterpublikum zumutbar! Mehr noch: Im
Land von Turrini, Handke, Kofler, Jonke, Winkler, Haderlap & Co wird
kritisches Theater im Sinne Brechts fast schon zur Pflicht!!

Bitte verschonen Sie uns vor abgeschwächten, gefälligen, beschönigenden,
unpolitischen Mainstream-Produktionen und lassen diese wichtige,
hochfinanzierte Kultur- und Bildungsinstitution wieder zu dem werden, was sie
sein soll: ein Ort der Begegnung, ein Ort der Diskussion, ein Ort der Konfrontation.

Klagenfurts Theaterpublikum verträgt mehr und sehnt sich nach Besserem!


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