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Django – sein letzter Gruß

Kleine Zeitung, 23.2.2010

Büchner-Preisträger Josef Winkler über den Hypo-Alpe-Adria-Sarg, Turmbaupläne und die Ignoranz in Sachen Klagenfurter Stadtbibliothek.

  ©FILMZENTRALE

„Django“ Franco Nero inspirierte den
„Kinoleinwandgeher“ Josef Winkler zu einem weiteren Plädoyer für das Buch ©FILMZENTRALE


Aus
nostalgischen Gründen habe ich kürzlich mit meinem Sohn den ersten Django-Film
aus dem Jahre 1966 mit Franco Nero angeschaut. In der Eingangszene zieht Django
einen Sarg durch die Gegend, in dem, wie sich später herausstellt, ein
Maschinengewehr versteckt ist. Ich habe an die desaströse Kärntner Hypo-Bank
denken müssen, als gegen Ende des Films Django einmal sagt: „Wenn ich meinen
Sarg aufmache, dann stimmt die Kassa!“ Man kann den neuen Aufsichtsratschef der
Hypo Alpe Adria, Johannes Ditz, nur alles Gute wünschen, denn es ist nicht
ausgeschlossen, dass in diesem Sarg als russische Puppen versteckt noch ein
paar kleine und immer kleiner werdende kärntnerisch-kroatische Särge
auftauchen, die sich wohl nicht als Goldbahren entpuppen werden.

Nun
haben die Kapitalverbrecher durch diese in der Zweiten Republik einzigartige
Geldvernichtung wohl zwei Generationen von Kindern und Jugendlichen das Geld
für ihre Aus- und Weiterbildung genommen. Trotzdem haben die beiden
Regierungsparteien (FPK/ÖVP) beschlossen, einen 100 Meter hohen Turm aus Glas
und Holz, der 10 Millionen Euro (140 Millionen Schilling) kostet, auf dem
Gipfel des Kärntner Pyramidenkogels zu bauen. Selbstverständlich ist auch der
römisch-katholische Vorsitzende der Kärntner ÖVP mit von der Partie, der
Tourismusreferent, der sogenannte „Brettljausnsepp“ mit seiner in seiner Hülle
und Fülle hausenden besseren Hälfte, der „Lourdes-Mitzi“, der das Füllhorn
wieder einmal mitausschüttet, und der schon einmal in einem herzzerreißenden
Not-Ruf der Öffentlichkeit wortwörtlich mitgeteilt hat, dass „Kärnten wieder
geil werden muss“.

Seit
dem Zweiten Weltkrieg gibt es in der Landeshauptstadt mit 100.000 Einwohnern
keine vom Magistrat der Stadt Klagenfurt geführte Stadtbibliothek. Die damalige
sogenannte „Studienbibliothek“ in der Kaufmanngasse, die Anfang der
Siebzigerjahre in die neu gegründete Hochschule für Bildungswissenschaften
unweit vom Seeufer eingegliedert wurde, war keine Einrichtung der Stadt,
sondern eine Einrichtung des Bundes. Der Magistrat der Stadt Klagenfurt hat
sich also weit über ein halbes Jahrhundert hinaus die Kosten für eine
Bibliothek erspart. Das ist europaweit einzigartig!

Und
besonders beschämend ist es in einem Land und in einer Stadt, in denen
Dichterinnen und Dichter geboren wurden und aufgewachsen sind, die zu den
bedeutendsten des gesamten deutschen Sprachraumes in der zweiten Hälfte des
vergangenen Jahrhunderts gehören: Christine Lavant, Ingeborg Bachmann, Peter
Handke, Gert Jonke, Werner Kofler, Peter Turrini, Florjan Lipuš, Gustav Januš.

Anstatt diese 10 Millionen Euro (140 Millionen Schilling) für die Aus- und
Weiterbildung unserer betrogenen und aufs Schwerste hintergangenen Kinder und
Jugendlichen und endlich für eine würdige Stadtbibliothek in der
Landeshauptstadt zu verwenden, wird von diesen das Land Kärnten regierenden
politischen Banditen auf der Spitze des Pyramidenkogels ein weiteres Denk-Mal
des Größenwahns und der Verschwendersucht in Kärnten gebaut, ein ebenso
hübscher wie lächerlicher Turm aus Holz und Glas, auf den dann, wenn es so weit
ist, der christlich-soziale Vorsitzende der Kärntner ÖVP, Marienwallfahrer und
Kinogeher, als Erster

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