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DIE WELTWEITEN TOP-ZIELE

26 Billionen Euro.
Diese gigantische Summe haben Reiche und Konzerne in Steueroasen angelegt.
Österreich liegt im Ranking noch vor Zypern.

Wohin fließen die Milliarden aus Zypern?
Die Eurozone ist out, weil zu unsicher. Karibik, Südsee oder Fernost
sind in. Rund um den Globus geht der Wettbewerb um die Vermögenden
munter weiter. Bis zu 26 Billionen Euro sollen die Reichen der Welt in Steueroasen gebunkert
haben, schätzt das Netzwerk für Steuergerechtigkeit (Tax Justice
Network). Klassische und noch weniger bekannte Steuerparadiese buhlen um
Klientel aus der kriselnden Eurozone. Singapur, Dubai und Hongkong
werden bei vielen Experten als Fluchtländer Nummer eins außerhalb der
Eurozone genannt.

Der deutsche Autor Hans-Lothar Merten hat in seinem Buch
„Steuerflucht. Das Milliardengeschäft mit dem Schwarzgeld“ einige
aufstrebende Zufluchtsorte aufgespürt. Nur einen Mausklick entfernt,
quasi. Zur Verwischung der Spuren nach Europa erfolgt der Geldtransfer
meist via Treuhänder und Firmengründungen.

Singapur Die Finanzmetropole hat die höchste
Milliardärsdichte der Welt. Sie punktet mit strengem Bankgeheimnis,
Steuerfreiheit auf Kapitalerträge wie Zinsen und Dividenden sowie
Rundum-Service durch europäische, insbesondere Schweizer Banken, die vor
Ort sind.

Hongkong Weltweit bereits die Nummer eins als
Finanzplatz. Gesetzlich verankertes Bankgeheimnis, geringe
Gewinnsteuern. Die zentrale Drehscheibe für den Handel mit China wird
gerne zur Gründung von Zwischenholdings genutzt, um Steuern im
Heimatland zu vermeiden.

Panama Erst kürzlich outete die Süddeutsche Zeitung
deutsche Promis als Besitzer von Firmen in der Steueroase Panama.
Namentlich wurden die Familien Porsche und Piëch sowie der Verleger
Hubert Burda genannt, die aber Steuerflucht umgehend bestritten. „Es
gibt wohl kaum ein zweites Land auf der Welt, in dem die Gründung einer
Gesellschaft so preiswert und unbürokratisch über die Bühne geht“, sagt
Merten. Aktuell sind 200.000 Offshore-Firmen in Panama registriert. Sie
brauchen weder Bilanzen erstellen noch Gewinne versteuern. Besonders
beliebt sind Familienstiftungen, deren Gründungszweck ganz offiziell
auch die „Steueroptimierung“ sein kann.

Labuan Malaysias Steuerparadies vor der Küste
Borneos ist noch ein Geheimtipp, buhlt vor allem um Asiens Superreiche:
Keinerlei OECD-Abkommen in Steuerangelegenheiten, strenges
Bankgeheimnis, keine Kapitalbeschränkungen.

Mauritius Die Insel lockt geradezu aggressiv
Superreiche zum Steuersparen ins Land. Der Steuerwohnsitz kann mit viel
Geld erkauft werden. „Nach der Qualität des Geldes fragt hier niemand“,
heißt es im Steuerflucht-Buch. Einkünfte und Vermögen im Ausland bleiben
steuerfrei.

Türkei „Die Schweiz am Bosporus“ mausert sich zum
Nahziel vor allem für deutsche Steuerflüchtlinge. Steuerfahnder, die das
Land zunehmend ins Visier nehmen, beißen dort meist auf Granit.




Grafik


Die führenden Steueroasen



Unternehmen


Tricks bringen Konzernen Milliarden

Wer in einem Land lebt und von dessen Leistungen und
Infrastruktur (Bildung, öffentlicher Verkehr, Sicherheit) profitiert,
sollte eigentlich seinen Beitrag dazu leisten. Multinationale Konzerne
minimieren aber ihre Steuerlast, indem sie hohe Kosten in
Hochsteuerländern verbuchen und Gewinne in Steueroasen verschieben. Etwa
60 Prozent des gesamten Welthandels erfolgen zwischen
Tochtergesellschaften von Global Playern.

Immer wieder in öffentlicher Kritik stehen die US-Konzerne Apple,
Google, Starbucks oder Amazon. Apple perfektionierte seine
Steuerminimierung und zahlte im Vorjahr auf den außerhalb der USA
verbuchten Gewinn von 28,6 Mrd. Euro gerade einmal 1,9 Prozent an
Steuern. Der iPhone-Konzern nutzte dazu vor allem zwei
Tochterunternehmen aus Irland, über die ein Großteil des
Auslandsgeschäfts läuft. Die Töchter gehören wiederum teilweise einer
Firma aus dem Steuerparadies British Virgin Islands.

Delaware

Rund 60 Prozent aller US-Konzerne haben ihren juristischen Hauptsitz
im US-Bundesstaat Delaware, wo die USA selbst die größte Steueroase
pflegen. Bis zu 100.000 neue Briefkasten-Firmen werden dort jährlich
angemeldet, dazu muss man nicht einmal in die USA reisen. Zur
Unternehmensgründung ist kein Grundkapital erforderlich, es reicht ein
Vorstand aus einer Person, die Identität wird nicht überprüft. Delaware
erlaubt, die Gewinne, die außerhalb des Bundesstaates erwirtschaftet
werden, nicht zu versteuern. Fast eine Million Briefkastenfirmen
befinden sich inzwischen in Delaware.

An einer Gesetzgebung, die Steueroasen wie diese ermöglicht, gibt es
zunehmend Kritik. Vor allem als Schattenfinanzzentren hätten die
Steueroasen die Finanzkrise noch verschärft, heißt es. In einem
OECD-Papier aus dem Vorjahr werden u. a. die oft willkürlichen
Verrechnungspreise innerhalb von Konzernen – etwa für Lizenzen und
Patente – kritisiert.



Im Detail


Bankgeheimnis in Schweiz und Österreich unter Druck

Steuerflüchtlinge müssen nicht zwingend in der Ferne
veranlagen, auch mitten in Europa gibt es zahlreiche entsprechende
Möglichkeiten. Neben den Kanalinseln Guernsey und Jersey (bekannt von
den Meinl-Gesellschaften Airports und Power International) sind dies
auch Österreichs Nachbarländer Schweiz und Liechtenstein.

Die Schweizer führen die Liste der intransparentesten Finanzplätze
der Welt an. Erstellt wurde das Ranking vom Netzwerk Steuergerechtigkeit
(Tax Justice Network, TJN) aber bereits 2011. Seit damals hat die
Schweiz einiges getan, um dieses Image loszuwerden.

Allerdings geschah dies vor allem auf Druck anderer Staaten,
insbesondere den USA. Sie warfen elf eidgenössischen Banken
Unterstützung zur Steuerhinterziehung vor, die Institute mussten Strafen
in Millionenhöhe zahlen. Im Dezember einigten sich die beiden Staaten
auf ein neues Doppelbesteuerungsabkommen, das Anfang 2014 in Kraft
treten soll. Damit sollen Schweizer Banken
verpflichtet werden, die USA über entsprechende Konten ihrer
Staatsbürger in dem Land zu informieren oder eine pauschale
Quellensteuer von 30 Prozent zu US-Gunsten zu erheben.

Das Abkommen ähnelt jenem der Schweiz mit Österreich, das zu Jahresbeginn in Kraft getreten
ist. Finanzministerin Maria Fekter erwartet sich insgesamt eine
Milliarde Euro aus der Besteuerung von dort geparkten Vermögen. Laut
einer Studie wird in der Schweiz EU-Schwarzgeld im Ausmaß von rund 415
Mrd. Euro vermutet, aus Österreich sollen es rund 15 Mrd. Euro sein.

Fürstentum

Liechtenstein findet sich zwar auf der Liste nur auf Platz 34. Für
Österreich hat es aber aufgrund der Nähe dennoch große Bedeutung. Daher
drängte Fekter ebenfalls auf ein Abkommen mit dem Fürstentum.
Sie rechnet daraus für 2014 mit einer Einmalzahlung in Höhe von 500
Mio. Euro, jährlich sollen dann 20 Mio. Euro an Steuern fließen.
Mittlerweile haben auch die USA Liechtenstein ins Visier genommen. Die
Amerikaner verlangen von dem Land statistische Angaben über Stiftungen
und Treuhänder.

Österreich findet sich im Ranking mit Rang 17 ebenfalls weit vorne.
Grund ist für TJN vor allem das Bankgeheimnis, das es in der EU sonst
nur in Luxemburg gibt. Seit langem fordern Kritiker einen Wechsel zum
automatischen Informationsaustausch über Zinserträge. Das Bankgeheimnis
stellt sicher, dass nur nach richterlichem Auftrag die Daten des
Bankkunden gelüftet werden dürfen. Die Anonymität bei Sparbüchern gibt
es hingegen seit 2002 nicht mehr. Gegenüber der Bank muss sich der
Sparbuchinhaber ausweisen.

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